Eine gewisse Individualität steht in vielerlei Hinsicht und in allen Bereichen längst an der Tagesordnung. Im Übrigen auch privat, sodass es nicht verwundern dürfte, dass sogenannte Rocket Stoves derzeit total im Trend sind. Sie kommen insbesondere in ärmeren Regionen zum Vorschein, wo es vor allem um die effiziente Hitzeentwicklung, aber auch die Schnelligkeit geht. Dennoch haben die Raketenöfen auch hierzulande längst eine große Fanbase um sich geschart, die genau weiß, was sie an diesen Öfen hat. Was das genau bedeutet, wollen wir hier gerne nochmals erläutern.

Was ist ein Raketenofen?

Der sogenannte Raketenofen ist ein Herd, welcher durch seine ganz spezielle Anreihung des Feuerraums in der Lage ist, den dazugehörigen Brennstoff effizient und sicher zu verbrennen. Durch seine besondere feuerfeste Materialisierung entsteht eine großzügige Hitze, die es jedem ermöglicht, schnell Speisen jeglicher Art zu zubereiten. Aufgrund der vereinfachten Nutzung und der günstigen Beschaffenheit kennen viele den Raketenofen, zu englisch Rocket Stove, beispielsweise im Einsatz in Entwicklungsländern, wo Elektrizität nicht immer gewährleistet ist und ein klassischer Herd einfach die Kosten des dort möglichen sprengen.

Wie einen Raketenofen selber bauen?

Natürlich kann man einfach einen Raketenofen kaufen, zum Beispiel auf bestn.de. Doch viele Menschen haben in sich den Bastler entdeckt und wollen einfach alles selber bauen, was sich ihnen derzeit anbietet. Da macht ein Raketenofen natürlich keine Ausnahme, aber wer sich damit eben nicht auskennt, der benötigt noch ein wenig Starthilfe. Hierbei möchten wir mit den Informationen darum, wie man den Raketenofen wirklich selber bauen kann und was man überhaupt dafür benötigt, behilflich sein, damit auch wirklich nichts schief gehen kann.

Welche Materialien benötigt man?

Beim Material kommt es natürlich auf die eigenen Wünsche an, denn viele DIY-Experten nutzten hierbei bei Weitem nicht dasselbe! Doch gerade folgende DIY Version eines Raketenofens erfreut sich großer Beliebtheit, sodass wir uns bei der Materialliste gerne an diese halten wollen. Diese ist auch für den Laien gedacht, sodass niemand auf seinen Raketenofen verzichten muss.

Materialliste:

  • Vierkantrohr: 3 mm stark, 1000 x 100 x 100 mm
  • Rundstahl
  • Flachstahl: 500 x 100 x 3 mm
  • Stahlröhrchen circa 10 bis maximal 15 mm Stärke
  • Ofen- und Auspufffarbe
  • Rundholz wie z.B ein alter Besenstil
  • Moniereisen circa 500 mm und ein Durchmesser von circa 12-15 mm
  • Vierkantrohr: 2 mm stark, 1000 x 30 x 30 mm

Mit dieser Materialliste dürfte bei der Herstellung eines einfachen Raketenofens nicht viel schiefgehen, sodass man in jedem Fall diese erst einmal zusammen haben muss. Natürlich gibt es auch weitere Materiallisten im Web rundum den Raketenofen, aber diese ist gerade auch für den Laien eine gelungene Möglichkeit, sein handwerkliches Talent erst einmal unter Beweis stellen zu können.

Welches Werkzeug wird benötigt?

Gleichwohl es nicht so wirkt, als würde man hier allzu viel Werkzeuge benötigen, wo die Materialliste nicht sehr umfangreich ist, darf erwähnt werden, dass man um einiges an Werkzeug nicht herum kommt. Dennoch sollte diese Liste jetzt keineswegs abschreckend wirken, um sich vor dem Wunsch, den eigenen Raketenofen selber zu bauen, zu drücken, denn diese Liste dient lediglich der Vorbereitung. Je besser diese nämlich ist, desto eher geht beim DIY-Experiment „Raketenofen“ nichts schief.

  • Stichsäge
  • Anreißnadel
  • Winkelschneider
  • Schlagbohrmaschine
  • Feile
  • Trenn-, Fächer- und Schrubbscheiben
  • Winkel
  • Geodreieck
  • Schweißklemmen
  • Schraubzwingen
  • MAG oder E-Schweißgerät

Klingt vielleicht für den einen oder anderen Leser hier etwas viel, was die Werkzeugliste angeht, aber leider wird diese exakt so benötigt. Wer vielleicht das eine oder andere nicht besitzt, kann noch mal schnell den Nachbarn fragen, im Baumarkt vorbeischauen oder schauen, wo man sich eine Schlagbohrmaschine leihen kann. Denn gerade örtliche Baumärkte bieten gerne auch solche Geräte zur Leihgabe an, sodass nicht direkt ein Neukauf erforderlich ist.

Was muss man können?

Natürlich sollten Interessenten schon einmal mit dem Werkzeug größtenteils umgegangen sein. Zwei linke Hände könnten hier in der Tat zu einer Geduldsprobe werden, aber wer es sich zutraut, der darf gerne dennoch Hand anlegen. Doch ein wenig Know-how im Umgang mit Werkzeugen oder zumindest der Mut, dieses Experiment namens DIY-Raketenofen durchzuziehen ganz gleich, ob jemand sich als Mensch mit zwei linken Händen bezeichnet, sollte schon da sein, damit hier auch wirklich der Erfolg nicht lange auf sich warten lässt.

Schritt für Schritt DIY Anleitung

Natürlich muss nun eine Anleitung schrittweise erfolgen, damit auch kein Schritt vergessen wird. Immerhin muss an dieser Stelle davon ausgegangen werden, dass Leser/-innen nicht unbedingt wissen, wie man nun vorgeht, sodass wir beim DIY-Raketenofen hier auf eine sehr genaue Anleitung zurückgreifen in der Hoffnung, dass der erste Raketenofen auch sofort von Erfolg gekrönt ist.

Schritt 1:

Im ersten Schritt beschäftigen wir uns mit dem Materialzuschnitt und benötigen aus diesem Anlass das Vierkantrohr mit den Maßen 1000 x 100 x 100. Dieses wird nämlich in einem 45° Winkel in der Länge abgelenkt, was bedeutet, dass die längste Seite nun 500 mm und die kürzeste nur noch 400 mm lang ist.

Im Anschluss erfolgt sofort ein 90° Schnitt, welcher die lange Seite auf 300 mm und die kurze Seite auf 200 mm kürzt. Es bleibt indes ein Reststück übrig, welches natürlich nicht unbearbeitet bleibt. Hierfür ist es nötig, nochmals dieselben Maße von 300/200 mm herauszuflexen oder sägen.

Nun muss jeder 3 Vierkantrohrteile a 45° besitzen, wenn man korrekt gearbeitet hat.

Schritt 2:

Nun folgt bereits der erste Schweißgang, sodass auf eines der beiden 300/200 mm Vierkantrohrteile nun drei Trennstäbe eingeschweißt werden müssen. In die 45° Seite des jeweiligen Stücks müssen die Trennstäbe, insgesamt drei Stück, eingeschweißt werden. Während gleichzeitig noch in der 200 mm Seite drei Einkerbungen eingflext oder wahlweise gesägt werden müssen. Es ist darauf zu achten, dass die Tiefe bzw. und die Dicke denen der Baustahlstange entsprechen, damit am Ende auch wirklich alles passt.

Auch die Baustahlstange kann nun entsprechend der Länge nach zugeschnitten werden. Unten und auch oben, wo die Einkerbungen sind, müssen die Stangen entsprechend auch zusammengeschweißt werden. Es dürfen dabei keine Löcher übrig bleiben und um Überstände kümmern wir uns später mit der Trennscheibe!

Schritt 3:

Nun legt man das 400/500 mm Stück auf die Seite, damit der 45° Winkel unten liegt. Anschließend wird das 200/300 mm Stück genommen und wie eine L-Form an seiner 45° Seite am anderen Stück angelegt, damit ein 90° Winkel entsteht und eben eine optische L-Form zu erkennen ist. Der Winkel muss in jedem Fall 90° ergeben und bei diesem Schritt lässt sich dadurch so einfach erkennen, wer sauber gearbeitet hat oder jetzt noch mal etwas nachhelfen muss.

Nun haben wir ein schönes L vor uns liegen, aber es bleibt ja noch mal ein 200/300 mm Stück übrig, welches wir nun im rechten Winkel anlegen. Hier kann nun die Brennkammer eingezeichnet und herausgeschnitten werden. Hier empfiehlt sich, vorsichtig vorzugehen, damit nicht zu viel herausgeschnitten wird.

Schritt 4:

Jetzt kommt der größere Schweißvorgang im vierten Schritt, sodass wir zunächst die Brennkammer und Luftzufuhr fixieren, damit diese beim Vorgang nicht verrutschen. Liegt der Winkel auch richtig auf, dann darf hier gerne schon verschweißt werden. Nun folgt die Brennstoffzufuhr, welche genauso wie im Schritt 3 positioniert werden muss, um dann in den 90° Winkel im Inneren eingeschweißt werden zu können. Die Brennöffnung darf nun ebenso angeschweißt werden, aber bitte nie das Fixieren vergessen, damit keine Fehler passieren können.

Schritt 5:

Das große 500 x 100 mm Flachstahl dient nun dazu, hier vier gleichgroße Stücke a 150 x 50 mm herauszuschneiden. Die Ecken müssen dazu noch abgerundet werden, während die Ecken zu brechen sind. Die Stücke werden an der Brennkammer angeschweißt. Pro Seite eben ein Stück. Eine gerade Unterlage ist für den Grundkörper des Raketenofens nun essenziell und auch die Topfauflagen müssen sollten die gleichen Winkel und Höhen aufweisen, damit das Fett nicht in irgendwelchen Ecken laufen kann.

Schritt 6:

Noch bleibt ja am 500 x 100 mm Stahl etwas übrig und auch dies wird sich nun ändern. Denn nun wird es auf eine Länge von 120 mm abgelängt, erneut abrunden und wieder die Ecken brechen. Nun benötigen wir ein Stück a 50 mm sowie zwei weitere Stücke a 25 mm in der Länge. Vom Rundstahl ist indes ein 100 m langes Stück gefordert.

Die Teile müssen nun in der Reihenfolge 25 mm, 50 mm und 25 mm auf das Rundstahlrohr a 100 mm aufgehoben werden. Die Klappe muss dazu noch auf der Brennstoffzuführung gehalten werden, um im Anschluss bündig links, recht sowie unten aufliegen zu können. Circa 20 mm dürfte die Klappe oben indes überstehen, wo das Schanierröhrchen nun angebracht werden kann. Auch wieder im rechten Winkel!

Die jeweils 25 mm Stücke müssen nun auf der Klappe gefestigt werden. Das Stück mit den 50 mm wird indes auf der Brennstoffzufuhr angeheftet. Rechts und links wird auf das Scharnier nun noch ein Schweißpunkt gesetzt, sodass der Rundstahl sicher sitzt.

Schritt 7:

Dort, wo die Brennstoffzufuhr ist, müssen nun circa 8 mm im Durchmesser große Löcher gebohrt werden. Insgesamt reichen hier allerdings zwei Stück je Seite ( links und rechts ) aus.

Schritt 8:

Das Vierkantrohr mit den Maßen 1000 x 30 x 30 muss indes zur Hälfte getrennt werden. Nun bleiben jeweils 500 x 30 x 30 mm übrig und diese werden vorne und hinten am sogenannten Lufteinlass angeschweißt. Sie dienen den Stellfüßen.

Schritt 9:

Damit der Ofen einfach gut ausschaut, darf eine passende Lackierung nicht fehlen. Wenn jetzt noch etwas zu verschleifen auf der Oberfläche ist, ist nun auch die letzte Chance für die Feinarbeit. Im Anschluss wird der Bremsreiniger oder die Verdünnung, je nachdem, was man da hat, zum Einfetten genutzt. Nun muss der Ofenlack aufgetragen werden und der Raketenofen darf trocknen. Nun muss der Ofen nach dem Trocknen erst einmal einbrennen und schon kann er ausgiebig genutzt werden.

Fazit

Einen Raketenofen selber bauen klang kompliziert? Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung dürfte der Raketenofen nicht mehr so schwierig zu meistern sein wie meist zu Beginn gedacht. Aufgrund dessen darf nun jeder sein handwerkliches Geschick einmal selbst auf die Probe stellen, damit beim nächsten Gulaschtopf & Co ein echt pfiffiges Modell genutzt wird, welches in vielen Ländern noch immer bevorzugt wird und dazu die Speisen heiß serviert. Gerade für Eintöpfe ist der Raketenofen hervorragend geeignet, aber das stellen unsere Leser/-innen ja bald sicherlich selber fest.

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